Philosophische Abende

für Studenten aller Fachrichtungen

Die Philosophischen Abende bieten die Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Philosophie anhand folgender fünf Themen. Nach Darstellung der wesentlichen Aspekte und Argumente werden die Fragestellungen in offener Diskussion vertieft.

  • Gehirn und Freiheit
    Mittwoch | 2. November 2011 | 20 Uhr
  • Wissenschaft und Wahrheit
    Mittwoch | 16. November 2011 | 20 Uhr
  • Gerechtigkeit, Recht und gerechter Krieg
    Mittwoch | 30. November 2011 | 20 Uhr
  • Evolution und Schöpfung
    Mittwoch | 14. Dezember 2011 | 20 Uhr
  • Verantwortung und das gute Leben
    Mittwoch | 11. Januar 2012 | 20 Uhr


Gehirn und Freiheit
Die These neurowissenschaftlich inspirierter Stellungnahmen lautet: Der freie Wille ist nur eine Illusion; die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse fordern, unsere Vorstellungen von Moral, Recht und Erziehung radikal zu ändern. Kann die Naturwissenschaft zeigen, dass dieser Schluss tatsächlich begründet ist? Dass er rational problematisch ist, dafür hat die Philosophie starke Argumente. Wäre der Schluss richtig, dann wären es nicht „wir“, sondern nur Gehirne, die meinen, dass sie als verantwortliche und denkende Personen existieren und Wissenschaft treiben. Das hätte nicht nur für Moral und Recht tiefgreifende Konsequenzen. Es bedürfte einer ganz neuen Sprache, um diese Wirklichkeit abzubilden. Und wir selbst würden uns dann gänzlich unverständlich. Unsinnig würde natürlich vor allem Philosophie, aber unverständlich würde uns auch unsere gesamte Praxis, die darauf basiert, dass wir uns als verantwortliche Akteure verstehen. Nicht zuletzt wäre damit die Wissenschaft selbst, die auf dem Zusammenspiel von Theoriebildung, Experiment und Argumentation beruht, aber auch ihrer Voraussetzungen beraubt.

Wissenschaft und Wahrheit
Es ist eine entscheidende Frage, ob es eine objektive Wahrheit und eine objektiv erkennbare Realität gibt. Durch den Einfluss der Naturwissenschaften auf unser Wissenschaftsverständnis neigt die Wissenschaftstheorie zu einem fallibilistischen Ansatz, nach dem wir zwar mehr oder weniger gut bestätigtes wissenschaftliches Wissen erzielen können, aber unsere Erkenntnis der Wirklichkeit grundsätzlich fehlbar ist. Ist dieser Wissens- und Wahrheitsbegriff der Naturwissenschaften der einzig mögliche? Entscheidende Fragen, die sich dem Menschen im Zusammenhang mit der Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, wären dann gar keine wissenschaftlichen Fragen bzw. wären von vorneherein unbeantwortbar oder hätten eine negative Antwort. Oder belegt diese Beschränkung des Wissens auf Erkenntnisse im Rahmen des Paradigmas naturwissenschaftlicher Methodik, dass ein weiterer, grundsätzlicher Bereich andere, umfassendere Methoden und Theorien erfordert?

Gerechtigkeit, Recht und gerechter Krieg
Theoretisch scheint das Thema Gerechtigkeit unproblematisch. Die allgemeinen Regeln: „jedem das seinige geben“ und „Gleiches gleich, Ungleiches ungleich behandeln“, sind ausreichend. Schwierig wird es erst im konkreten Fall und wenn zu eigennutzenorientiert Gerechtigkeit mehr als Forderung an andere, als an uns selbst gesehen wird. Gerechtigkeit ist jedoch auch in theoretischer Hinsicht umstritten: Ist diejenige Gesellschaftsordnung gerecht, die die maximale Versorgung mit Gütern für die größte Zahl oder diejenige, die die minimale Versorgung aller mit Grundgütern sicherstellt? Und welche Güter sind im Zweifelsfall für die Gerechtigkeit vorrangig: Grundfreiheiten oder Grundernährung? Oder wie steht es mit Recht und Gesetz? Gibt es Rechte, die quasi von Natur aus gelten oder sind alle bloße Konvention, selbst die Grund- und Menschenrechte? Schließlich: Gibt es einen gerechten Krieg? Und wenn ja, wie muss und darf er dann geführt werden?

Evolution und Schöpfung
Evolution oder Schöpfung? ist eine Frage mit weitreichenden Folgen. Es besteht keine Einigkeit darüber, ob sich beide tatsächlich ausschließen oder wie sie sich vereinbaren lassen. Gegen die Annahme eines Schöpfers wird vorgebracht, dass die naturwissenschaftliche Theorie umfassend ist und diesen nicht erfordert. Naturwissenschaftliche Theorien sind nach ihrem Selbstverständnis aber immer nur Theorien und niemals letztgültig wahr. Wenn die Evolutionstheorie folglich als umfassendes Welterklärungsmodell auftritt, dann tut sie dies nicht mehr als naturwissenschaftliche Theorie. Als was tritt sie aber dann auf? Und was bedeutet das für die Vereinbarkeit von Evolution und Schöpfung?

Verantwortung und das gute Leben
Wir verstehen uns als verantwortliche Urheber unserer Handlungen und beurteilen danach die eigenen Handlungen und die anderer. Ob wir sie als positiv oder negativ einstufen, variiert jedoch gemäß der jeweiligen Überzeugung mitunter deutlich. Als Lösung haben wir uns die Unterscheidung zwischen universellen Gerechtigkeitsforderungen einerseits und individueller Wahl und Verwirklichung einer Theorie des guten Lebens andererseits angewöhnt: moralisch und teilweise auch rechtlich eingefordert und sanktioniert werden kann, was die Freiheit der anderen beschränkt oder verletzt; innerhalb dieses Beschränkungsrahmens der Autonomie kann jeder tun und lassen was er will. Dieser Weiterentwicklung kantischer Ethik steht die einflussreiche und reizvolle utilitaristische Ethik gegenüber. Dieses ebenfalls universalistische Modell orientiert auch privates Handeln an der generellen Nutzenmaximierung. Als dritte große ethische Theorie erinnert die Tugendethik beharrlich daran, dass es vielleicht zuerst darum geht, die Frage zu beantworten, an welchen Prinzipien man sich orientieren muss, wenn man ein gutes und glückliches Leben führen will. Und sie benennt allgemeine Maßstäbe, die für alle Menschen, unabhängig von persönlicher Präferenz und kulturellem Umfeld in Frage kommen.

Ort: Lindenthal-Institut, Friedrich-Schmidt-Str. 20a, 50935 Köln

Zeit: Beginn 20 Uhr;  

Anmeldung: Die Philosophischen Abende sind eine Veranstaltung des Lindenthal-Instituts in Kooperation mit dem Internationalen Studentenzentrum Schweidt. Interessierte Studenten aller Fachrichtungen sind eingeladen, sich für eine Teilnahme mit kurzer Darstellung der eigenen Person und Motivation anzumelden.

Referent: Dr. Johannes Hattler

Ausführliche Informationen zum Ablauf und zu den Referenten entnehmen Sie dem Programmflyer:

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